Sexualität

Selbstbestimmte Sexualität ist ein Grundbedürfnis mit einem riesigen Spektrum von Sinnlichkeit, Zärtlichkeit, Lust, Erotik bis hin zu (erlaubter) Dominanz und (gewollter) Unterwerfung. Am Beginn steht für jede/n einzelne/n immer herauszufinden, was dem eigenen Körper und der Seele gut tut – ähnlich wie wir nach einer Weile wissen, was wir gerne essen oder welche Musik wir gerne hören. Im zweiten Schritt gilt es Grenzen zu erkennen und diese klar zu kommunizieren.

Für eine gelungene Sexualität ist Selbstliebe die Basis. Erst wenn ich mich und meine Bedürfnisse kenne, kann ich sie meinem Gegenüber mitteilen. Wir sind es nicht gewohnt, darüber zu kommunizieren – das macht es einerseits schwierig, andererseits spannend und lehrreich. Sexualität hat in Schule und Erziehung meist nur die Aspekte der Schwangerschaftsverhütung und Verhütung von STIs (sexuell übertragbare Krankheiten) gestreift. Lust und Sinnlichkeit wurden dabei meist außen vor gelassen. Zur Selbstliebe gehört auch das sich-selbst-Kennenlernen und zu sich stehen. Manchmal entdecken wir nach einiger Zeit, dass wir uns sexuell neu orientieren möchten, was zu Unsicherheit, Angst und Furcht vor dem nicht-akzeptiertwerden führen kann.

Später als Erwachsene kommen wir uns dann komisch vor, wenn die Lust ausbleibt oder das primäre „Ziel“, der Orgasmus, nicht eintritt. Männer fühlen sich als Versager und Frauen fürchten, frigide zu sein: Sexualität ist zum Leistungssport geworden. Dabei sollten wir den Blick auf Sexualität niemals so einseitig und eindimensional richten, dafür ist sie viel zu wertvoll und die Bandbreite ist riesig. Für schöne und genussvolle Sexualität ist Vertrauen in mich selbst und meinen Partner, Akzeptanz und Liebe des eigenen Körpers und Kommunikation wichtig.

Vorsicht bei Traumata und sexueller Gewalt: Gerade im Bereich der Sexualität werden Grenzen immer wieder überschritten. Entweder, weil einer der Partner seine Grenzen nicht absteckt und klar ausspricht oder weil in einem Machtgefälle Grenzen überschritten werden, die niemals gebrochen werden dürften. Traumatische Erfahrungen und Verletzungen gibt es in diesem Bereich zu viele, bei einigen Menschen auch aus der Kindheit. Diese Traumata bedürfen der empathischen und vorsichtigen Lösung, damit sie in Zukunft das System des Menschen nicht mehr belasten.