Wer bin ich?

Wer bist du? Diese Frage wurde mir vor einigen Jahren gestellt. Ein Leben in wenige Worte zu fassen ist schwer, deswegen haben auch meine Zeilen hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit….

Ich bin Naturkind, Waldkind. Aufgewachsen mitten im Wald, abends das letzte was ich gehört habe, der leise Wind in den Tannenwipfeln im Sommer, die still fallenden Schneeflocken im Winter. Die taubenetzten Grashalme unter den nackten Füßen, das Zirpen der Grillen, das Heulen des Käuzchens. Meine Kindheit hat meine Verbindung, meine Liebe, meine Bewunderung der Natur geprägt. Die Stille hat mich zur Zuhörerin gemacht. Das Umherstreifen im Wald hat mich zur genauen Beobachterin werden lassen. Das Leben im Wechsel der Jahreszeiten und inmitten der Launen der Natur hat mich Demut gelehrt und der Gewissheit nähergebracht, dass die Natur immer für uns da ist.

Ich bin Tochter. Aufgewachsen in einer heilen Welt, einer intakten Familie. Und Tochter zweier Kriminalpolizisten, geprägt durch verschlüsselte Andeutungen meiner Eltern untereinander, die mir das Gefühl gaben, dass es Schatten, Böses und traumatisches im Paradies gibt.

Ich bin Enkelin. Enkelin der Kriegsgeneration. Mein Opa hat ein Bein verloren, das war für uns immer sichtbar. Meine Oma hat viel verloren, das war unsichtbar. Wie viele meiner Generation konnte ich nicht wirklich erfahren, was meine Großeltern erlebt haben – ich habe nur Andeutungen, nebulöse Vorstellungen, unklares erfahren. Der Krieg war in meinen Großeltern und ihren Traumata immer präsent.

Ich bin Mutter. Nach der Kindheit im Wald und dem dann sehr ersehnten Umzug in die Kleinstadt – für mich hinein ins pralle Leben – als eben Volljährige mein Kind bekommen. Diese lebensverändernde Erfahrung hat mich und mein Leben bewegt. Ich habe verstanden, dass es mehr gibt als mein eigenes Leben, dass es vieles gibt, dass ich weitergeben möchte, und einiges, das ich abstreifen und auf keinen Fall weitergeben möchte.

Ich bin Frau. Feministin, Gerechtigkeitsvertreterin. Frauenthemen faszinieren und bewegen mich. Männerthemen auch. Menschenthemen! Woher kommen wir, wohin gehen wir? Wer sind wir? Warum sind wir manchmal scheinbar unterschiedlich und scheinbar doch gleich? Warum bekämpfen wir uns und wie gelingt Frieden? Wie können wir mit unserer Erde, unserer Heimat, diesem einzigartigen wunderschönen Planeten, liebevoll umgehen? Wie schaffen wir es, liebevoll mit uns selbst umzugehen? Was bleibt von uns, wenn wir eines Tages nicht mehr da sind?

Ich bin Freundin. Verbindung ist für mich essenziell. Verbindlichkeit, Loyalität. Herzenswärme. Empathie. Berührung. Lachen. Mitteilen. Teilen. Da sein. Füreinander. Ich mag Menschen, die das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden können. Die sich trauen. Die sich mitteilen. Die warm sind und Wärme zu geben haben. Die über sich lachen können. Die echt sind. Meine Werte teilen, sich entwickeln wollen. Kritisch sind, hinterfragen. Eine eigene Meinung haben. Stark und zerbrechlich.

Ich bin Suchende. Immer auf der Suche nach dem tieferen Sinn, neugierig, erstaunt, wenn ich wieder ein Puzzlestück entdecke. Ich lerne dauernd, ich lese viel. Ich mache mir Gedanken, ich spreche mit Menschen. Ich lasse mich inspirieren. Ich lerne nie aus. Und deswegen faszinieren mich auch so viele Themen gleichermaßen, kann ich mich nicht auf ein Thema festlegen. Meine Leidenschaft, mein Interesse gilt dem Körper und der Natur, den sozialen Beziehungen, Konflikten und Traumata, insbesondere der Beziehung von Paaren und der Sexualität in all ihren Facetten. Darüber hinaus alles, was irgendwie mit dem Menschsein zusammenhängt.

Ich bin Ich. Ich liebe es zu tanzen. Ich liebe Schokolade. Ich liebe schlaue Menschen und gute Gedanken. Ich liebe die Natur, die Berge, die Seen. Ich liebe Blumen, Bäume und Tiere. Ich liebe es zu spielen und zu lachen. Ich liebe gutes&veganes Essen. Ich liebe es, mich in der Gesellschaft von liebevollen Menschen aufgehoben zu fühlen.

Nora – März 2022

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